Eine Erbengemeinschaft ist langfristig keine ideale Lösung.

Nach einem Todesfall folgt für die Hinterbliebenen eine schwere Zeit. Die wenigsten wollen sich dann mit juristischen Fragen auseinandersetzen. Früher oder später muss man aber entscheiden – zum Beispiel darüber, wie das Vermögen der verstorbenen Person aufgeteilt werden soll.Gibt es nur einen einzigen Erben, ist die Rechtslage einfach: Dieser kann alleine über den Nachlass walten. Hinterlässt die verstorbene Person mehrere Erben, wird es kompliziert. Diese werden automatisch zu einer Erbengemeinschaft.

Bei einer Erbengemeinschaft darf keiner der Erben allein über Wertsachen oder Gegenstände verfügen. Entscheidungen rund um das Erbe müssen gemeinsam und einstimmig mit den restlichen Erben gefällt werden. Auch Verträge können nur gemeinsam unterzeichnet werden. Der Anteil am Erbe, der dem einzelnen Mitglied zusteht, spielt dabei keine Rolle. Einzige Ausnahme: Auf das Haus oder die Wohnung, die das Ehepaar gemeinsam bewohnt hat, sowie das gemeinsame Mobiliar und allfällige Fahrzeuge räumen die geltenden Gesetze dem überlebenden Ehepartner ein Vorrecht ein.

Langwierige Aufteilung

Jeder einzelne Erbe kann die Teilung des Nachlasses jahrelang blockieren, selbst wenn ihm nur ein kleiner Anteil am Erbe gehört und alle anderen Erben untereinander einverstanden sind. In der Schweiz gibt es deshalb Tausende von Erbengemeinschaften, die auch Jahre nach dem Tod des Erblassers noch nicht aufgelöst sind. Grund für die langwierige Aufteilung sind vielfach komplizierte Familienkonstellationen sowie eine komplexe Zusammensetzung der Erbmasse. Nicht selten besteht das Vermögen von Erbengemeinschaften aus Liegenschaften und Wertschriftenportfolios, die schon über Jahrzehnte im Familienbesitz sind. Aus emotionalen Gründen können sich dann die Erben nicht entscheiden, das Erbe aufzuteilen oder sich von gewissen Vermögenswerten zu trennen. Oder die Ziele und Wünsche der einzelnen Erben liegen weit auseinander.

Je länger die Auflösung der Erbengemeinschaft aufgeschoben wird, desto schwieriger wird es, einen einstimmigen Entscheid zu treffen. Stirbt ein Erbe, geht sein Anteil an seinen Ehepartner und seine Nachkommen über. Im Lauf der Zeit hat man es deshalb mit einer immer grösseren Zahl von Miterben zu tun, deren Interessen möglicherweise noch unterschiedlicher sind. Hinzu kommt, dass sich viele blockierte Erbengemeinschaften nicht um die Bewirtschaftung der Erbschaft kümmern und dadurch häufig viel Geld verlieren.

Zwar kann jeder Miterbe jederzeit gerichtlich die Erbteilung verlangen. Das Gericht erzwingt dann die Teilung des Nachlassvermögens. Es ordnet zum Beispiel den Zwangsverkauf der Liegenschaft beziehungsweise eine öffentliche Versteigerung an. Das ist für alle Beteiligten aber die schlechteste Lösung: Der Erlös ist in so einem Fall meistens deutlich geringer als bei einem normalen Verkauf. Zudem können die Kosten für das Gerichtsverfahren je nach Streitwert sehr hoch sein, und es dauert nicht selten mehrere Jahre, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt.

Um Streit und einen möglichen erzwungenen Verkauf des Erbes zu vermeiden, kann es sich lohnen, im Testament oder Erbvertrag einen professionellen Willensvollstrecker einzusetzen. Oder falls der Erblasser keinen Willensvollstrecker eingesetzt hat, können sich die Erben auf einen Erbenvertreter einigen.

Beide entlasten die Hinterbliebenen in der Zeit der Trauerverarbeitung von administrativen Aufgaben und kümmern sich um alle finanziellen Belange. Zudem bereitet sowohl der Willensvollstrecker als auch Erbenvertreter die Erbteilung vor und führt sie durch. Beide stellen das Nachlassvermögen fest und machen schliesslich einen Teilungsvorschlag.

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