Banken zahlen Hypothekarnehmern Zinsen: Werden wir bald in so einer verkehrten Welt leben?

Können die Hypozinsen noch weiter sinken?

Aktuell sind die Interbanksätze bis weit über zehn Jahre hinaus negativ. Darum greift bei allen Laufzeiten die künstliche Untergrenze von null Prozent plus Kreditmarge. Erst wenn die Banken dazu übergehen, Spargelder negativ zu verzinsen, könnte diese Untergrenze fallen – und die Hypozinsen könnten noch weiter sinken.

Was wird am Markt erwartet?

Die US-Notenbank ist daran, die Zinsen wieder zu lockern. Und in Europa hat die Zentralbank EZB unmissverständlich signalisiert, dass sie noch einmal eine Lockerung der Geldpolitik vorsieht. Die Leitzinsen könnten nicht nur sehr tief bleiben, sondern bis Mitte 2020 nochmals sinken. Die Schweizerische Nationalbank SNB ist stark vom Kurs der EZB abhängig ist, weil der Franken sonst an Stärke gewinnt. Das heisst: Die Zinsen könnten auch bei uns auf einem historischen Tief bleiben oder sogar noch tiefer gehen. Falls nämlich die EZB die Zinsen tatsächlich senkt, könnte die SNB gezwungen sein, den bisherigen Negativzins von 0,75 Prozent auf minus 1 Prozent auszuweiten.

Lohnt es sich, bei den Festhypotheken auf noch tiefere Zinsen zu warten?

Eine Festhypothek schliesst man ab, um sich gegen steigende Zinsen zu schützen. Das dürfte eben kaum nötig sein. Erst bei einer Trendwende sollte man über Festhypotheken nachdenken. Bis dahin ist eine Geldmarkthypothek die bessere Wahl. Falls die künstliche Untergrenze fallen sollte, werden mit den Festhypotheken auch die Geldmarkthypotheken nochmals günstiger. Man fährt also in den meisten Fällen besser damit. Zudem ist man flexibler, falls man die Hypothek vorzeitig zurückzahlen muss – zum Bespiel wegen einer Scheidung oder weil man den Job verliert.

Wie stark können die Zinsen ins Minus fallen?

In der Theorie gibt es keine Untergrenze, in der Praxis aber schon. Je weiter die Zinsen jedenfalls ins Minus rutschen, desto mehr weichen die Sparer auf andere Anlagen aus. Am Ende landen wir vielleicht sogar wieder beim Tauschhandel.

In Dänemark bekommen erste Wohneigentümer Geld für eine Hypothek, statt Zinsen zu zahlen.

Ist das auch bei uns denkbar?

In Dänemark wird die Mehrheit der Hypotheken direkt über den Kapitalmarkt finanziert. Und dort müssen Sparer und Anleger schon lange mit negativen Renditen leben. In der Schweiz bekommen Sparer aber immer noch mindestens null Prozent auf dem Sparkonto. Das heisst: Die Sparer werden sozusagen von den Hypothekarnehmern quersubventioniert.

Können auch Mieter Geld dafür erhalten, dass sie einen Mietzins bezahlen?

Nein, hier gibt es eine klare Untergrenze. Bevor eine Liegenschaft negative Mietzinsen abwirft, lassen die Vermieter die Wohnungen lieber leer stehen. So haben sie wenigstens eine Rendite von null Prozent. Dieser überspitzt genannte Deflationsschutz erklärt die weiterhin grosse Nachfrage nach Rendite-Objekten.

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