Wie der spanische Fiskus die Deutschen vertreibt | Hauseigentümer verlassen Mallorca – aus Angst vor der Steuer. Deutsche Rentner werden in Spanien generell stärker zur Kasse gebeten. 

Es schien alles bereitet für den Lebensabend im sonnigen Süden. Für rund 7,5 Millionen Euro hatte sich ein deutscher Unternehmer, der es in der Baustoffbranche zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht hat, eine Villa auf Mallorca gegönnt – mit luxuriösem Interieur, großzügigem Pool und traumhaftem Blick aufs Meer.

Doch nur wenige Monate später verkaufte er das Anwesen wieder: Der Selfmademan hatte die Rechnung ohne den spanischen Fiskus gemacht. Nach detaillierter Prüfung war klar: Es gibt keine Chance, eine happige Steuer zu vermeiden. Der Unternehmer entschied sich gegen Mallorca – und wird seinen Lebensabend jetzt anderswo im Süden verbringen.

Die Zahl der reichen Deutschen, die ihren Lebensmittelpunkt auf Mallorca haben, geht deutlich zurück. Es sind nicht nur einige wenige Superreiche, die sich abwenden. Die Einwohnerstatistiken offenbaren einen wahren Exodus: In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Deutschen mit Wohnsitz auf den Balearen laut aktuellen Daten des Statistikamts fast halbiert.

Gründe offenbart diese Statistik natürlich nicht. Aber Experten sind sich einig: Hauptursache für den Mallorca-Exodus der Deutschen sind zunehmend strenge Steuerregeln im schuldengeplagten Spanien. Die balearische Regierung verschärft die zum Teil noch, so weit es ihre Autonomie zulässt. Hinzu kommt eine härtere Gangart gegen Hinterzieher, die neben reichen Immobilienbesitzern auch deutsche Rentner trifft.

Die beispiellose Fiskaloffensive auf den Balearen begann bereits 2013: Damals führte die konservative Regionalregierung die Vermögenssteuer wieder ein. Als 2015 die Sozialistin Francina Armengol Ministerpräsidentin wurde, stieg die Schlagzahl weiter. Ihre Linkskoalition, die von der Protestpartei Podemos toleriert wird, erhöhte die neue Steuer deutlich. Für Vermögen über dem Freibetrag von 700.000 Euro sind auf den Balearen deshalb nun 0,28 bis 3,45 Prozent fällig – Jahr für Jahr (vorher: 0,2 bis 2,5 Prozent).

Das kann teuer werden, zumal der Satz nicht nur für spanisches Vermögen gilt. Reiche Ausländer mit Wohnsitz auf den Balearen müssen auch Auslandsvermögen in Spanien versteuern. Damit das klappt, fordert das Finanzamt einmal im Jahr eine detaillierte Auflistung der ausländischen Besitztümer an. Über das Vermögen in Spanien wissen die Beamten meist ohnehin Bescheid. Bei Verstößen drohen hohe Geldbußen; bereits bei verspäteter oder nicht formgerechter Abgabe sind mehrere tausend Euro fällig.

 

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